Systemgastronomie: Logistikdienstleister oder Großhändler

Für manche Gastronomen macht die Zusammenarbeit mit einem Logistiker Sinn, für andere nicht. Florian Entrich, Geschäftsführer von Quick Service Logistics (QSL), erklärt das Prinzip Full Service-Versorgung

Florian Entrich web-1014

Was unterscheidet das Full Service-Konzept der QSL von anderen Logistikmodellen für die Systemgastronomie?

Im Gegensatz zum Großverbraucher-Handel bieten wir unsere Dienstleistung an, nicht die Lebensmittel selbst. Folglich berechnen wir unseren Kunden auch nur die logistische Dienstleistung. An den Waren selbst verdient QSL nichts. Die Konditionen, verhandelt also unser Kunde direkt mit seinen Lieferanten, aus diesem strategischen Einkauf halten wir uns völlig heraus. Im Rahmen des operativen Einkaufs übernehmen wir die Beschaffung der benötigten Waren bei den Lieferanten, die unsere Kunden ausgewählt haben.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für Ihre Kunden?

Zum Beispiel verdienen wir nicht an Handelsmargen, wodurch die Kosten mit unserem Modell sehr transparent sind. Außerdem können unsere Kunden viel Aufwand bei der Beschaffung sparen. Wir koordinieren die verschiedenen Lieferanten, regeln den Cash Flow und wenn einmal etwas schief geht, übernehmen wir auch das Beschwerdemanagement. Unsere Arbeit entlastet aber nicht nur die Geschäftsführer der Franchisenehmer, sondern auch die Mitarbeiter in den Stores. Denn durch unser One-Stop-Shop-Konzept versorgen wir die Restaurants bei einer Anlieferung mit allen benötigten Waren von Tiefkühlkost über Fleisch und Salat bis hin zu Getränken. Das geschieht mit speziellen Multitemperatur-Lkw, die über mehrere Ladekammern mit unterschiedlichen Temperaturstufen verfügen.

In welchen Bereichen sind Ihre Kunden tätig?

Wir betreuen vor allem Quick Service-Restaurants, Convenience Shops, aber auch Bäckereien, Großküchen und Restaurants der Verkehrsgastronomie. Dabei beliefern wir in Deutschland insgesamt 1.200 Filialen von verschiedenen Franchise-Labels, in neun weiteren europäischen Ländern sind es weitere 900. Zu unseren Kunden gehören etwa Burger King, Ditsch oder Pizza Hut.

Betreuen Sie auch Restaurants, die keiner Kette angehören oder Hotels?

Wir haben auch schon über Angebote für klassische Restaurants oder Hotels nachgedacht, allerdings legen diese ihren Lebensmittelbedarf oft kurzfristig fest. Das können wir in unserem sehr auf fest definierte Abläufe und hohe Effizienz ausgerichteten System nicht abbilden. Unser Full Service-Konzept ist voll auf Unternehmen der Systemgastronomie ausgerichtet. Die Restaurants besitzen hier systemisch aufgebaute Speisekarten. Das heißt, es gibt eine feste Karte und eine verhältnismäßig kleine Zutatenliste. Solche Quick Service-Ketten wollen nach den ersten Erfolgen häufig schnell expandieren. Dafür suchen sie dann einen Partner, der ihnen die Logistik abnimmt. Die gehört schließlich nicht zum Kerngeschäft und bedeutet zugleich ziemlichen Arbeitsaufwand.

Warum braucht es dazu einen Logistiker?

Anfangs, mit nur einer Handvoll Restaurants funktioniert die Beschaffung ziemlich gut über den Großverbraucherservice. Darum entscheiden sich auch viele Unternehmen, zunächst dafür. Wenn allerdings weitere Filialen hinzukommen, ändert sich die Beschaffungslogistik. Der Aufwand nimmt mit jedem neuen Store weiter zu, vor allem bei der Bedarfsbestimmung und der Übermittlung an den jeweiligen Lieferanten. Ist eine Franchise-Kette dann deutschlandweit vertreten, beobachten wir häufig, dass sie zwar den strategischen Vorteil eines Full Service-Konzepts erkannt hat, aber den dann bereits recht hohen Aufwand für die Umstellung scheut. Deshalb empfehlen wir, frühzeitig zu überlegen, welches Versorgungskonzept für die eigenen Wachstumspläne am besten geeignet ist.

Da empfehlen Sie natürlich Ihr eigenes Konzept, oder?

Ja, selbstverständlich. Aber immer unter der Maßgabe, dass ein Full Service-Konzept tatsächlich passt. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, unterstützen wir Unternehmen gerne dabei, ihre Beschaffung zu systematisieren. Vor allem, indem wir sie zum Supply Chain Management beraten. Wir stellen für die Systemgastronomen aber auch Kontakte zu den Lieferanten in unserem Netzwerk her. Am Ende wollen wir natürlich den Auftrag, aber das ist keine Bedingung, die Beratung ist unabhängig.

Wo liegen diese strategischen Vorteile der Full Service-Logistik?

In der Skalierbarkeit. Der hohe Aufwand für die Koordination verschiedener Lieferanten bindet sowohl beim Franchisegeber als auch bei den Franchisenehmern Energie, die besser in die Verfolgungen von Expansionsplänen investiert wäre. Und natürlich muss die Versorgung der Restaurants mit allen Produkten gewährleistet sein. Da können wir durch unsere Planungstools den Bestellvorgang massiv unterstützen.

Haben Sie aktuelle Beispiele?

Dass wir bei Expansionen unterstützen, haben wir bereits mehrfach für Burger King auf neuen Ländermärkten bewiesen. Aktuell begleiten wir den Start von Burgerista in Deutschland und von Brezelkönig in Österreich. Das ist ohnehin ein sehr interessanter Markt für uns.

Warum gerade Österreich?

Weil der Systemgastronomie-Markt dort sehr dynamisch ist. Regelmäßig kommen neue Quick Service-Marken auf den Markt, Bäcker oder Lebensmittelmärkte etablieren systemische Konzepte für den Mittagsimbiss. Und viele internationale Marken planen, nach Österreich zu expandieren. Das gilt übrigens auch für die Schweiz, wo wir genau wie in Österreich seit 2011 mit einer eigenen Niederlassung vertreten sind.

 

Burgerista expandiert mit QSL

Markteinführung in Deutschland mit Full-Service-Logistik

Die österreichische Burger-Kette Burgerista vertraut für ihre Expansion in Deutschland auf QSL. Der Full-Service-Logistikdienstleister kümmert sich um den operativen Einkauf, Lagerung und Anlieferung in die Restaurants. Burgerista, das erst Mitte des vergangenen Jahres in Deutschland startete, ist dort aktuell mit sieben Stores vertreten.

Friedrichsdorf, 7. Januar 2016 — Bei seinem Einstieg in den deutschen Markt entschied sich das junge österreichische Unternehmen Burgerista für QSL. Denn der Logistik-Dienstleister aus dem hessischen Friedrichsdorf konnte durch seine Fokussierung auf die Systemgastronomie seinen neuen Kunden bereits im Vorfeld beim Aufbau seiner Supply-Chain für Deutschland beraten. „Wir haben auf diesem Gebiet eine langjährige Expertise, die für die schnelle Expansion des Deutschlandgeschäfts von Burgerista enorm wichtig ist“, erklärt QSL-Geschäftsführer Florian Entrich. Burgerista ist seit Mitte 2015 in Deutschland aktiv und hat bereits Standorte in sieben deutschen Städten etabliert.

Schnelle Expansion durch Outsourcing der Logistik

„Gerade für aufstrebende und expansionswillige Systemgastronomie-Konzepte ist es aus unserer Erfahrung sehr wichtig, sich früh zwischen Full-Service-Logistik und der Bestellung bei Handelsunternehmen für Großverbraucher zu entscheiden“, erklärt Florian Entrich. Der Vorteil einer transparenten Logistiklösung aus Sicht von Florian Entrich: durch Flexibilität und Skalierbarkeit der Supply Chain können Gastronomie-Manager ihre volle Aufmerksamkeit auf die Eröffnung neuer Stores richten, ohne die Steuerung der strategischen Einkaufsfunktion zu verlieren. „Unsere Erfahrung zeigt uns, dass viele Unternehmen zunächst wachsen wollen und sich danach über die Steuerung ihrer Supply Chain und ihre Kostentreiber Gedanken machen.“ Doch zu diesem Zeitpunkt, berichtet Florian Entrich, ist die Umstellung bereits sehr aufwendig: „Nach der Expansionsphase gestaltet sich die Umstellung einer Supply Chain mit kundenspezifischen Produkten oft kompliziert, weil zum Beispiel Rezepturen und Herstellungspreise von Zutaten nicht bekannt sind und somit Abhängigkeiten von bestimmten Zutaten und Handelsunternehmen bestehen.“ Wer sich hingegen von Beginn an durch Full-Service-Logistik unterstützen lässt, kann später die Economies of Scale in vollem Umfang ausschöpfen und profitiert von einer effizienten Steuerung der Supply Chain.

Beste Prozesse für höchste Lebensmittel-Qualität

Die Qualität der Waren hat oberste Priorität

Friedrichsdorf. Seit 2006 versorgt die Meyer Quick Service Logistics die Systemgastronomie mit Lebensmitteln. Seine Erfahrung setzt das Unternehmen ein, um für seine Kunden Qualitätsstandards umzusetzen, die deutlich mehr bieten als IFS oder HACCP fordern.

Lebensmittel sind die sensibelste Handelsware, die es gibt. Ihre Logistik ist eine der größten Herausforderungen. Meyer Quick Service Logistics versorgt die Systemgastronomie mit temperaturgeführten Transporten seit 2006 mit der sensiblen Ware und weiß, worauf es ankommt. 

Das Handling von Lebensmitteln unterliegt mehreren gesetzlichen Anforderungen, wie beispielsweise dem Regelwerk IFS sowie der Nutzung von HACCP-Konzepten. Dazu kommen Vorgaben der Kunden. QSL sieht diese Vielfalt strenger Regelwerke als Chance: „Wir arbeiten ganz konkret daran, einen eigenen QSL-Standard für das Handling von Lebensmitteln zu etablieren, der die Anforderungen aller Beteiligten berücksichtigt“, sagt Quality Manager Oliver Gensky.  

Gensky führt die verschiedenen Anforderungen zusammen und erarbeitet Vorgaben für die Mitarbeiter, die er passend zu den jeweiligen Aufgaben seiner Kollegen und leicht verständlich aufbereitet. Die Einhaltung überwacht intern seine Kollegin  Lydia Leibham. Sie nennt eine ganze Reihe von Gründen, warum gute Prozesse Grundbedingung für gute Warenqualität sind: „Nur wenn die Ware im Fahrzeug exakt in den angegebenen Temperaturbereichen gelagert wird, kann eine gleichbleibend hohe Qualität gesichert werden.” Deshalb setzt der Full Service-Logistiker QSL neben Multitemperatur-Lkw auch Temperatur-Telematik ein, mit der der Disponent die Temperaturwerte live überwachen kann.

Um die Zeit zwischen der Entnahme aus dem Fahrzeug und der Einlagerung im Restaurant so kurz wie möglich zu halten, hat Meyer Quick Service Logistics individuelle Anlieferkonzepte entwickelt. Damit wird auch bei Restaurants in zufahrtsbeschränkten Bereichen gewährleistet, dass die Waren bei der Anlieferung die optimale Temperatur haben. 

Für die Lebensmittelsicherheit ist auch die Rückverfolgbarkeit der Waren entscheidend. “Wir garantieren unseren Kunden, dass wir eine Charge innerhalb von zwei Stunden finden, sperren und im Zweifelsfall auch zurückrufen können”, erzählt Quality Manager Oliver Gensky. Zudem können sich Kunden rund um die Uhr an eine Notfallnummer wenden. 

Effizientes Supply Chain Management 

“Unsere Kunden erwarten von uns, dass sich unsere Logistik optimal in ihre Betriebsabläufe eingliedert”, berichtet Lydia Leibham. Deshalb hat das Unternehmen aus Friedrichsdorf das Anlieferkonzept Drop & Go entwickelt. Hierbei kann durch die Kombination einer Fotokamera und eines Palettenstretchers die Ware bereits vorab kontrolliert und somit der Anlieferprozess sowohl für die Restaurant-Mitarbeiter als auch für die Fahrer effizienter gestaltet werden.